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Offener Brief an spirituell Suchende und spirituelle Lehrer:inn/Begleiter:innen | Die Nebenwirkungen von Erleuchtung

  • 19. Dez. 2025
  • 20 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 8. Aug.

Nebenwirkungen von Erleuchtung - besonders als spirituelle:r Lehrer:in


Spirituelle Ereignisse wie Erleuchtung oder GottesRealisation sind zwei tiefgehende, dich allumfassend und dauerhaft verändernde innere Shifts, die deinen Sitz des Seins und wie du dich, andere, die Welt und das Göttliche wahrnimmst, für immer verändern.

Sie bringen vieles Wunderbare mit sich. Liebe. Frieden. Weite. Tiefe. Weisheit. Mitgefühl. Klarheit. Das Ende der Suche.


Sie haben jedoch auch ihre Nebenwirkungen.

Ich werde in diesem Text sowohl einen allgemeinen Überblick zu der Thematik aus meinen heutigen Erkenntnissen heraus schreiben als auch persönliche Schlussfolgerungen ziehen.

Mir ist bewusst, dass dieses Phänomen keineswegs nur mich und InDivinality betrifft. Gerade deshalb möchte ich meine persönlichen Erfahrungen und Erkenntnisse zur Verfügung stellen

Und ich würde mich sehr freuen, wenn dieser Text sowohl (spirituell) Begleitete als auch (spirituelle) Begleiter:innen findet, damit wir darüber in produktivem Austausch sein können.

Denn für meinen Geschmack wird über die Herausforderungen und Nebenwirkungen von spirituellen inneren Shifts nach wie vor zu wenig öffentlich gesprochen. Ich möchte hiermit gern meinen kleinen Beitrag leisten, einen Dialog zu eröffnen. Oder zumindest zum eigenen Reflektieren und NachFühlen und NachDenken anregen.


Ich schreibe diesen Text nicht nur aus fachlichem oder spirituellem Interesse, sondern auch, weil ich selbst erfahren habe, wie tiefgreifend solche Shifts einen Menschen verändern können – und wie schmerzhaft es sein kann, erst im Nachhinein zu erkennen, wo die eigene Menschlichkeit dabei zu kurz gekommen ist.




Überhöhung | RetterAnspruch | VerantwortungsAbgabe im Kontext spiritueller Begleitung


Spirituelle Ereignisse wie Erleuchtung oder GottesRealisation können zu Überhöhungen des spirituell Begleitenden seitens der Schüler:innen/Facilitant:innen führen – und manchmal geschieht dies so subtil, dass es lange kaum wahrnehmbar ist. Wie können wir damit sinnvoll umgehen?


Liebe spirituell Suchende, vielleicht erkennt ihr euch hier (partiell) wieder?

Du triffst deine:n Lehrer:in und irgendetwas in dir ist tief bewegt. Dein Herz, deine Seele sagen Ja. Irgendetwas in dir schwingt intuitiv.

Du beginnst den Prozess voller Eifer und langsam schleicht sich ein, dass du deine:n Lehrer:in auf einen Thron setzt. Vielleicht fühlt es sich einfach wie Liebe und tiefe Zustimmung an. Aber könnte es auch in Anhimmeln übergegangen sein? Verbindest du Hoffnung mit deiner/deinem Lehrer:in? Auf was genau? Erlösung? Vielleicht sogar Rettung?

Könnte es sein, dass du deine eigene Essenz auf deine:n Lehrer:in "da draußen" projizierst; ihren/seinen (vermuteten) Status quo einerseits zum Ultimativen und gleichzeitig zum Unerreichbaren erklärst?

Und wenn du genauer hinschaust: Versteckst du dich vielleicht dahinter, weil du tief in dir überzeugt bist, "dort" ohnehin niemals hinkommen zu können? Könnte es sogar sein, dass diese Überzeugung Anteilen von dir als Entschuldigung dient, weiterhin aus alten Mustern des Dich‑zu‑klein‑oder‑zu‑groß‑Machens zu handeln, deine SeelenGaben nicht in die Welt zu bringen und in KindheitsWunden, Ausrichtungen deines StrategischenSelbst, in deinem Schatten und deiner 3D-Konditionierungen zu verharren?

Hast du dich vielleicht auch schon mal dabei erwischt, deine Autorität an deine:n Lehrer:in abzugeben? Das kann viele Male scheinbar gutgehen, wenn du Empfehlungen oder Anregungen nachgehst, die dich weiterbringen. Aber was, wenn das Ergebnis dir mal nicht so gut gefallen hat? Könnte es sein, dass du dann deine:n Lehrer:in ins Geheim (oder vielleicht auch öffentlich) dafür verantwortlich machen wollest? Dabei möglicherweise übersehen hast, dass du ganz ehrlich betrachtet vielleicht nicht wirklich exakt der Empfehlung gefolgt bist, wie sie wirklich gegeben wurde und gemeint war, sondern du sie (vermutlich ohne jede böse Absicht; vermutlich aus unbewussten Mustern heraus) mit einer "um‑zu"‑Gesinnung und überlagert mit deinen eigenen Themen ausgeführt hast? Mit einer Agenda aus deinem StrategischenSelbst (vielleicht nennst du es auch Ego)? Vielleicht haben sich darin sogar Themen aus deinem Schatten ausgewirkt, die du dann in Folge gern deinem/deiner Lehrerin unterstellen möchtest?

Könnte es sein, dass das in-den-Himmel-Heben deines/deiner Lehrer:in dann manchmal still und leise oder auch lautstark umschlägt und du nicht mehr den/die Retter:in, sondern eher den Teufel auf ihn/sie projizierst?

Und natürlich ist nicht jede Irritation, Enttäuschung oder Kritik an einer spirituellen Begleitung eine Projektion. Manchmal ist etwas tatsächlich unstimmig, grenzüberschreitend oder schlicht ein Fehler der begleitenden Person. Dann ist die Frage: Bringst du dieses UnstimmigkeitsEmpfinden aus einer angreifenden, verteidigenden Haltung oder aus deiner inneren Stärke und Offenheit?

Hast du vielleicht schon mal anderen Schüler:innen, Freunden oder Familie gegenüber die Lehren und das WeltBild deines/deiner Lehrers/Lehrerin wie eine Waffe benutzt? Oder wie ein Schild vor dir hergetragen? Andere damit ermahnt, beschämt, gemaßregelt? Oder sie einfach still und leise in dir abgewertet, weil sie "die Wahrheit" noch nicht verstanden haben oder "richtig" leben?

Keine Sorge, du bist damit nicht allein. Solche Dynamiken haben häufig mit KindheitsWunden, Bindungserfahrungen und anderen unbewussten Mustern zu tun – und vieles davon kann bewegt werden. Ein wichtiger Schritt ist, die eigene Beteiligung daran wahrzunehmen und dort Verantwortung zu übernehmen, wo sie tatsächlich bei uns liegt.

Ich bin gerade weil diese Dynamik so enorm weit verbreitet ist, dafür, dass wir gemeinsam mal viel genauer hinschauen und versuchen, konstruktive Bewegung in diese Jahrtausende alte Geschichte zu bringen.


Liebe Kolleg:innen, ging oder geht es euch ähnlich wie mir, dass ihr diese Überhöhung eurer geliebten Schüler:innen/Facilitan:innen lange Zeit gar nicht wahrnehmen konntet, weil es für euch seit eurer Erleuchtung kein höher oder niedriger gibt?

Aus meinem Erleben ist es eben gerade Teil der Erleuchtung, in allen die Essenz zu sehen – jene Essenz, aus der alles hervorgeht. Man erlebt sich selbst nicht als "mehr Essenz" als andere und folglich auch nicht als höher, besser, weiter oder erleuchteter.

Dass andere dich "toll" finden, ist einerseits verständlich (weil das Göttliche selbst alles "toll" findet), andererseits wird es mit der Zeit dann doch vage seltsam, wenn du bemerkst, dass sie dich offenbar "toller" finden als andere – und als sich selbst.

Was dann tun, wenn es dir langsam schwant? Und ich gestehe: Auch ich habe lange gebraucht, um überhaupt zu erkennen, was ich da eigentlich vor mir hatte.

Das alleinige Ansprechen trägt nach meiner Erfahrung nur mäßig Früchte. Das wird allzu häufig nur mit verträumtem Lächeln abgenickt, während sich die eigentliche Dynamik nicht wirklich ändert.


Heute halte ich es für unumgänglich wichtig, dass wir uns selbst in unserer Verantwortung halten und darauf achten, nicht mit NonSelf/DivineSelf zu fusionieren, sondern als Menschen in Beziehung zu bleiben: mit unseren Stärken und Schwächen, unseren Bedürfnissen und Grenzen. Ich habe selbst erst lernen müssen, dass menschliche Verletzlichkeit nicht das Gegenteil von spiritueller Tiefe ist. Sie ist ein Teil davon.

Dies kann ein wichtiges Fundament dafür sein, dass Überhöhung, VerantwortungsAuslagerung, RetterFantasien oder AutoritätsAbgabe früher erkannt und besser begrenzt werden, weil wir direkt in unserer menschlichen (!) Verletzlichkeit erfahrbar sind, statt "aus Gott/NonDualität/dem Ultimativen zu kommen", was trügerisch ähnlich erscheinen kann aufgrund der ultimativen Offenheit, aber überhaupt gar nicht dasselbe ist. Weder in uns, noch im Kontakt.




Essentiell wichtige Fragen für spirituelle Sucher:innen & emotio-spirituelle Facilitant:innen


Während natürlich ein Teil der Verantwortung in der Begegnung bei der spirituell begleitenden Person liegt, seid gleichzeitig auch ihr, liebe erwachsene Menschen, gefragt, eure eigene SelbstAutorität zu bewahren und immer wieder zu überprüfen, was für euch tatsächlich wahr, stimmig und hilfreich ist.

Hier einige Fragen, die dafür orientierungsgebend sein können:


  • Stehe ich stabil genug in meiner eigenen Wahrheit, um nicht im Nachhinein zu sagen "Mein Guru hat aber gesagt,…!"?

  • Halte ich meine Wahrheit zugleich genug in einer offenen Hand statt in einer Faust, sodass Rückmeldungen, Fragen und Impulse meiner/s Begleiters:in wirklich in mir landen und mich auf heilsame Weise verändern und öffnen können?

  • Resoniert das WeltBild bzw. der spirituelle LebensWeg, in/auf dem ich mich befinde, wirklich in der Tiefe mit mir oder fühle ich mich vor allem im "Feld" meines Lehrers wohl?

    Kann ich das entsprechende WeltBild zu einem gewissen Maß auch sinnvoll, nachhaltig und auf alle LebensBereiche bezogen allein auf mich anwenden und hilft es mir, dass ich selber für mich in allen LebensDomänen immer tiefer Sinn für mich selber ergebe oder geht es mir nicht so wesentlich um das WeltBild, sondern mehr darum, in der Wärme, Liebe, Weisheit, Weite und Tiefe meines/meiner Begleiters/Begleiterin zu "baden"? Vielleicht lohnt es sich dann, neugierig zu erforschen, was genau mich dort so nährt – und ob dabei auch kindliche Bedürfnisse nach Schutz, Geborgenheit, Liebe oder Führung eine Rolle spielen. Dies ist nicht unbedingt ein Problem, sofern es klar kommuniziert ist und dann entsprechend eingebettet wird, aber sei dir bewusst, dass in Nondualen Paradigmen, in devotiven WeltBildern, in 4D/5D WeltBildern kein vorgesehener Platz für InnereKinder ist - da müsstest du, wenn du vorrangig auf so einem LebensWeg unterwegs bist, entsprechend angemessene Unterstützung/Begleitung speziell für deine kindliche Bedürftigkeit suchen, damit diese sich nicht auf verwirrende Weise auf deinem spirituellen Pfad auswirkt.

  • Wie genau unterstützt mich die Begleitung des Menschen, den oder die ich dafür autorisiere? Habe ich Anregungen oder konstruktive Kritik, wie die Begleitung für mich persönlich noch vertieft werden könnte? Es ist immer hilfreich, deine ganz persönlichen Bedürfnisse in einen emotio-spirituellen Prozess einzubringen!

  • Was möchte ich in mir bewegen – und was bin ich bereit, dafür zu geben, in Frage zu stellen, zu verändern, aufzugeben… und was nicht?

  • Wo übernehme ich Verantwortung für meinen eigenen Prozess – und wo hoffe ich vielleicht unbewusst, dass mein:e Begleiter:in für mich herausfindet, was los ist oder den entscheidenden Schritt für mich macht? Bin ich "vorne" übermäßig eifrig, brav, folgsam und hintenrum trage ich selber aber nichts Substantielles bei? Verheddere ich mich oft in Verwirrung, Nebel, Ungreifbarkeit und weiß eigentlich nicht, was ich will und sagen soll, wenn ich mit meinem:r Lehrer:in spreche? Überlasse ich es mehr ihm/ihr, rauszufinden, was los ist und wie sie/er mir helfen kann? Boykottieren Teile von mir vielleicht sogar recht genussvoll jegliches Tiefer/Weiterkommen? Bin ich häufig mit Widerstand, Ärger, vielleicht sogar Agressivität fusioniert und eigentlich vor allem Anti und nicht fähig/willens/bereit, das angemessen zu halten und erwarte, dass mein:e Begleiter:in irgendwie einen Eingang zu meinem Herzen findet, ohne dass ich selber Wesentliches beitrage?

  • Wie genau übernehme ich Verantwortung für das, was ich über mich in diesem Prozess herausfinde und wie sorge ich selber in meinem Alltag dafür, dass sowohl mein Licht als auch mein Schatten von mir respektvoll und in Liebe gehalten und integriert werden?



Toxische und produktive Arten, sich auf emotio-spirituelle Begleitung zu beziehen


Viele Menschen neigen aus ihren Verwundungen heraus dazu, Verantwortung auszulagern und zugleich nichts wirklich hereinzulassen. Das ist eine toxische und lähmende Kombination, in der keine wirkliche Veränderung oder Heilung möglich ist und sich schlimmstenfalls sogar schädliche Auswirkungen und Ergebnisse entwickeln können.


Sich hingegen in SelbstAutorität tief einzulassen und wirklich berühren zu lassen, eröffnet die Tür zu nachhaltigen inneren Shifts, zu Defragmentierung, Essenzierung, spirituellem Erwachen, Integration und Ganzheit.

Für diese innere Ausrichtung trägt jede:r Erwachsene eine wesentliche Verantwortung selbst. Das ist es, was uns in unserer Größe, Ganzheit und VerletzlichkeitsStärke wachsen lässt.



Einblicke & Einsichten aus meiner persönlichen Erfahrung des Begleitens emotio-spiritueller Prozesse


Ich persönlich habe 2003 begonnen, unter Supervision zu begleiten, und seit Anfang 2006 tue ich dies eigenständig. Ich habe viele bewegende, tief berührende, erstaunliche und herzzerreißende Erinnerungen aus den letzten 22 Jahren. Freudvolle und lustige, tief sättigende und magische. Herausfordernde und aufwühlende, von Liebe geflutete und deutlich vom Göttlichen getragene Momente und Prozesse.

Es ist eine tiefergreifende Erfahrung und eine große Ehre, Menschen mitunter über viele Jahre begleiten zu dürfen und nach und nach zu sehen, wie sie immer mehr und tiefer sie selbst werden und wie sich dies in ihrem Leben auswirkt.

Wenn ich auf diese 22 Jahre zurückblicke, ist das bis heute der überwältigend positive GesamtGeschmack. Und ich bin dafür zutiefst dankbar.


Es gibt jedoch auch einige spezielle Momente, Begegnungen und Dynamiken, die mir bis heute traumatisch, verstörend oder schmerzlich in Erinnerung geblieben sind. Ich neigte früher dazu, zu betonen, dass ich mich selbstverständlich nicht als Opfer davon fühle und volle Verantwortung für meinen Anteil übernehme. Und das stimmt auch beides: Besonders nach meinem eigenen Anteil zu schauen, liegt mir sehr „im SeelenBlut“ – aus echter Neugierde auf mich selbst, meine blinden Flecken und eventuelle Schatten.

Ein Teil von mir hat diese Ausrichtung jedoch auch benutzt, um ÜberVerantwortung zu übernehmen. Und ich bin heute an einem Platz, an dem ich anerkennen möchte, was geschehen ist, meinen eigenen Anteil ehrlich anschauen – und die Verantwortung für den Anteil anderer dort lassen, wo sie hingehört.


Ich würde rückblickend sagen, dass meine größte Herausforderung als Begleiterin für viele Jahre das Thema der ÜberVerantwortung war. Dies wurzelt einerseits in meiner Kindheit, andererseits in vergangenen Leben. Schon mit 13 Jahren begann ich, daran zu arbeiten, und bis heute bin ich in immer tiefere Schichten eingetaucht, um es in eine stimmige Balance zu bringen.

Ich würde außerdem sagen, dass ich einige Jahre nach meinen beiden spirituellen Shifts mehr oder weniger mit NonSelf und DivineSelf fusioniert war. Ich kann nicht mal sagen identifiziert, denn Teil des NonSelf ist eben, dass du keinerlei Identifizierung mit irgendwas hast; blind für dich selbst bist. Einfach nackt bist, was du bist, im Guten wie im Schlechten; im Licht wie im Schatten, in Liebe wie in Angst.



Emotionale, energetische & verbale Gewalt in der spirituellen Szene


Wenn ÜberVerantwortung und DivineSelf aufeinandertreffen, wirkt die eigene menschliche Verletzlichkeit beinahe unerreichbar – oder schlimmer noch: unangemessen.

Nach meiner nondualen Erleuchtung lebte es in mir als unbewusste Selbstverständlichkeit, dass ich mit dem "Raum" und "Platz" sowie der Liebe und Weisheit, die sich dadurch eröffnet hatten, geradezu verpflichtet sei, für alles zur Verfügung zu stehen.

Für alles offen zu sein, für alles Raum zu halten; vom Platz des Göttlichen aus immer mit allem mitzugehen, alles zu beantworten, alles zu spiegeln, für alles Raum, Zeit und Energie zu geben. Zu viele Chancen zu geben und immer noch einen weiteren Blickwinkel der Vertiefung zu finden und anzubieten.

Einige wenige Menschen haben diesen Fleck in mir so arg missdeutet, dass sie offenbar davon ausgingen, selber so gut wie nichts zu ihrem Prozess beitragen zu müssen. Es schien so in ihnen zu leben, dass es primär an mir liegt, ihr Thema zu bewegen, während der/diejenige nicht mehr tun muss, als anwesend zu sein. Da habe ich ganz klar versäumt bzw. war zu jener Zeit noch nicht fähig, deutlich zu machen, wie die Verantwortung verteilt ist.

Letztlich hat die Unfähigkeit nach meiner Erleuchtung, meine menschlichen Emotionen, Bedürfnisse und Grenzen einerseits zu fühlen und andererseits in den Kontakt zu bringen, für eine gewisse Zeit sogar dazu geführt, dass in wenigen Einzelfällen Raum für emotionale, energetische und verbale Gewalt von Seiten einiger (zum Glück weniger) Facilitan:innen mir und/oder anderen GruppenTeilnehmer:innen gegenüber entstand – und ich dafür "offen" war, weil es sich wichtig anfühlte, dass auch dieser Aspekt des/derjenigen sich zeigen darf.


Damit habe ich nicht nur mir selbst, sondern auch den entsprechenden Gruppen und Seminaren viel zugemutet und an manchen Stellen nicht rechtzeitig Grenzen und Konsequenzen gezogen. Während ich dies als meinen Anteil bewohne, möchte ich gleichzeitig rückblickend nicht mehr die Verantwortung dafür übernehmen, dass andere Menschen sich in solchen Situationen nicht selbst halten konnten oder ihre eigenen Grenzen nicht gesetzt haben. Mit anderen Worten: Nicht alles, was in diesen Situationen geschah oder was andere Menschen daraus gemacht haben, liegt in meiner Verantwortung.


Persönliche Emotionen zu fühlen und Bedürfnisse und Grenzen zu spüren und auszudrücken, waren für mich damals nach der Erleuchtung nicht selbstverständlich. Ich versuche heute, damit einerseits verständnisvoll und sanft in mir umzugehen – und mich andererseits ehrlich in Verantwortung für meinen eigenen Anteil zu halten.


Wichtig ist mir dabei gleichzeitig: Nach meiner Erinnerung hat damals keine:r der anderen anwesenden Teilnehmer:innen seine oder ihre SelbstVerantwortung in dem Sinne bewohnt, solche Situationen zu adressieren und gegebenenfalls eine eigene Grenze zu setzen. Etwas wie: „Mir persönlich geht das zu weit. Können wir für solche Situationen vielleicht eine andere Handhabung finden?“


Natürlich trägt die SeminarLeitung hier eine besondere Verantwortung. Aber auch jede:r einzelne Teilnehmer:in bleibt für sich selbst, das eigene Wohlbefinden und die eigene Integrität verantwortlich – und trägt damit immer auch einen Teil zur Gruppendynamik bei. Eine persönliche Grenze kann dabei helfen, gemeinsam zu verhandeln, was stimmig ist und wo individuelle Bedürfnisse und Grenzen liegen.




Ich beobachte, dass dies in spirituellen Kreisen nach wie vor viel zu selten geschieht. Eine mögliche Ursache dafür ist aus meiner Sicht, dass spirituelle Lehrer:innen mitunter sehr stark mit dem „GottFleck“ fusioniert sind und dadurch psycho-dynamische Fragen weniger Raum bekommen. Gleichzeitig erlebe ich auch immer wieder, dass Begleitete ihre Verantwortung – manchmal unbewusst und manchmal aus einer tiefen Sehnsucht nach Orientierung heraus – an Lehrer:innen abgeben.


Es ist inzwischen durchaus bekannt, dass es auch unter spirituellen Lehrer:innen Situationen gibt, in denen zornige oder anderweitig emotional fragwürdige Ausbrüche mit dem Nondualen erklärt oder spirituell überhöht werden – und dass Menschen im Umfeld solche Dynamiken manchmal hinnehmen, weil sie sie für einen Teil dessen halten, was bei „Erleuchteten“ eben vorkommt.

Ich selber hatte zwar nie solche Ausbrüche, aber dafür habe ich eben in EinzelFällen Ausbrüche von Facilitant:innen zu viel Raum und Zeit einnehmen lassen. Damals erschien mir das teilweise noch als Ausdruck meiner Offenheit und meiner Bereitschaft, auch Schwieriges zu halten. Heute sehe ich klarer, dass Offenheit und Grenzlosigkeit nicht dasselbe sind.

Ihr, liebe Begleitete/Suchende seid hier wirklich von Herzen gefragt, die Verantwortung nicht allein bei eurer BegleitPerson zu belassen. Sonst haltet ihr euch in Abhängigkeit, mangelnder SelbstAutorität und im Zweifelsfall sogar in dem Gefühl, "als Opfer ausgeliefert" zu sein. Es ist unumgänglich, hier eure SelbstAutorität zu finden und für eure Bedürfnisse und Grenzen auf- und einzustehen.

Dafür müsst ihr im Zweifelsfall das Risiko eingehen, die Beziehung zu eurem Lehrer und eurer Community aufzugeben, wenn sich so ein Punkt nicht verhandeln lässt (siehe auch Wie man aus einer Sekte aussteigt und was das mit FamilienFeiern zu tun hat.)


Ich habe daraus für mich gelernt, heute grundsätzlich keine emotio‑energetische, verbale und selbstverständlich keine physische Gewalt mehr zuzulassen; wir haben in InDivinality inzwischen großartige andere Wege gefunden, dass alles, was im Inneren lebt, ans TagesLicht kommen und gefühlt werden kann, ohne dass die Verantwortung dafür an die KontaktPerson abgegeben werden muss.

Ein wichtiger Bestandteil hiervon ist, dass ich es in Heart Dialogue sehr hoch halte, dass wir alle unser Gefühl dafür schulen, was wir eigentlich jeweils für Auswirkungen auf andere haben und dafür jeweils unseren Teil der Verantwortung übernehmen, auch dadurch, dass wir uns erlauben, wirklich tief zu fühlen, wie es uns damit geht, was wir in anderen auslösen: im Schönen wie im Schwierigen.

Es ist eine der BasisAnnahmen in InDivinality, dass jeder für sein eigenes Unbewusstes und somit für seine/ihre Emotionen & Reaktionen, Themen & Herausforderungen, Projektionen, Trigger und den eigenen Schatten selbst verantwortlich ist. Es stärkt Menschen sehr viel mehr in ihrer eigenen Größe und ihren HeilungsBewegungen und ErwachensShifts, wenn sie darauf respektvoll aber umfassend zurückgeworfen werden, statt übermäßig darin "abgeholt" zu werden.

Ebenso ist jede Person angehalten, aktiv transparent zu machen, was in ihr lebt, wie sie sich fühlt und wo ihre Grenzen liegen, statt zu schweigen, schönzureden, um "zu passen" und "geliebt zu werden" oder herunterzuschlucken, was in ihr vorgeht.

Diese Erfahrungen haben mich außerdem darin geschult, sehr viel mehr Fragen zu stellen, als Antworten oder Teachings anzubieten. Ich halte das heute für eine der wichtigsten Veränderungen in meiner Art zu begleiten.



Dunkelheit ernst nehmen hilft, respektvollen und stimmigem Umgang in der Begleitung zu finden und GottesProjektionen frühzeitig zu erkennen und angemessen zu adressieren


Ich weiß nicht, wie es euch, liebe Kolleg:innen, in Bezug auf das Thema "Dunkelheit" geht, aber ich persönlich habe die Vermutung, dass "Dunkelheit" nicht ernst genug zu nehmen, eine häufige Nebenwirkung bei Menschen ist, die relativ frisch Gottes-realisiert sind und diese Erfahrung noch nicht ausreichend in ihr MenschSein integriert haben. 


Mit "Dunkelheit" meine ich nichts essentiell Böses, sondern Seelen, die noch in innere – und damit auch äußere – KriegsSzenarien verwickelt sind. Das kann sich direkt in dieser Welt (3D) zeigen oder seelisch in den dichteren Gefilden der AstralWelt (lower 4D). Solange Teile von uns dort noch in Krieg, Verrat, Macht, Rechthaberei, GewinnenMüssen, Missionieren, Konkurrenz oder Rache verstrickt sind, wird sich das unweigerlich auch in unserem Leben widerspiegeln.

Ich gehe davon aus, dass jede Seele auf ihrer SeelenReise sich irgendwann in dieser Art von Dunkelheit bewegt hat. Solange, bis wir unser Mitwirken dort innerlich zum Abschluss bringen und verdauen. Einige von uns haben das bereits getan, andere sind gerade sehr aktiv dabei, für andere ist das Kapitel noch eine Weile nicht abgeschlossen. Die Auswirkungen und prozentualen Verteilungen davon sehen wir auch ganz deutlich auf unserem Planeten.


Aus Sicht des Göttlichen ist Dunkelheit zwar real, aber sehr viel weniger real als Liebe. Genau so hat es auch in mir gelebt – über viele Jahre, stur und nachhaltig. Und entsprechend habe ich begleitet.

Das heißt nicht, dass ich Dunkelheit nicht erkannt hätte. Ich konnte sie schon früh in meiner Begleitung durchaus akkurat benennen und adressieren. Doch ein SchutzAnteil in mir, der mir viele Jahre unbewusst war, hielt hartnäckig an der Überzeugung fest, dass keine Seele es wirklich ernst meinen könne, dauerhaft und nachhaltig in Dunkelheit mit all ihren ErscheinungsFormen zu verharren.

Ich ging aus meinem eigenen tiefen Vertrauen in die Gutheit des Menschen heraus davon aus, dass sich jeder Mensch immer wieder mit gutem Willen, WahrheitsLiebe und HeilungsWunsch auf die noch in der Dunkelheit lebenden Teile in sich selbst beziehen würde. Doch wenn jemand noch zu einem hohen Maß in Dunkelheit verwickelt ist, ist genau das ganz offensichtlich nicht der Fall und vielleicht einfach auch zu diesem Zeitpunkt der SeelenReise schlicht nicht möglich.


Diese Mischung aus Blindheit und FehlÜberzeugung in mir führte einerseits dazu, Menschen mit ihren DunkelheitsThemen sehr klar konfrontieren zu können und das deutliche Spiegeln war rücklickend in vielen Fällen wertvoll, denn die entsprechenden Menschen haben sich durchaus tiefgehend kennenlernen können und das in einem "Gefäß", das immer von Ultimativer Liebe getragen war, egal wie hässlich der (Dunkelheits)Inhalt auch wurde. Von einem dir-ist-bereits-verziehen Platz aus. Von: ich sehe deine Essenz, selbst wenn du bezweifelst, aus Liebe zu bestehen.

Aber!


Zu dem Maß, wie ich es menschlich nicht ernst genug genommen habe, habe ich nicht ausreichend darauf bestanden, dass aus Bewusstheit auch tatsächliche Verantwortung und entsprechendes Verhalten folgt.

Sie konnten sich ihrer Dynamiken vielleicht bewusst sein – mehr oder weniger, so wie es ihnen gerade möglich war und es SchattenSeiten von ihnen gelegen kam - was ein typisches Symptom davon ist, wenn man noch recht tief in Dunkelheit verwickelt ist.

Aber Bewusstheit allein ist noch keine Verantwortung. Und wenn unangenehmes, grenzüberschreitendes oder gewaltvolles Verhalten wiederholt auftritt, braucht es irgendwann nicht nur Bewusstheit und Reflexion, sondern eine menschliche Grenze und Situations-angemessene Konsequenzen.

Eine Dynamik, die ich dabei inzwischen gut kenne, ist, dass es zeitweise so aussehen kann, als würde Verantwortung übernommen und eine Bewegung stattfinden – und dann beginnt das unangenehme, grenzüberschreitende oder gewaltvolle Verhalten wieder von vorn, als hätte man noch nie darüber gesprochen.

Auch hier reicht Bewusstheit oder Einsicht allein nicht. Entscheidend ist, ob sich daraus über die Zeit tatsächlich ein anderes Verhalten entwickelt.


Zu dem Maß, wie ich „aus dem Göttlichen kam“, statt aus meiner Menschlichkeit – mit dem Göttlichen gewissermaßen „hinter“ mir –, stand ich diesen Menschen zwar zur Verfügung, ihre Dunkelheit kennenzulernen und zu reflektieren. Aber ich stand ihnen dadurch auch wiederholt als KontaktFläche zur Verfügung, ihre Dunkelheit über mich und andere auszuschütten. Ich hatte die spirituelle Kapazität, das zu halten – aber ich hatte damals nicht genügend menschliche Kapazität, die Grenze zu setzen.

Dies wäre jedoch in den meisten Fällen insofern heilsamer gewesen, dass es 1) eine nötige Grenze gezogen und sinnvollen Abstand geschaffen hätte und 2) bestenfalls der Person verdeutlicht hätte, dass sie aus ihrer Dunkelheit heraus auf andere Menschen und vielleicht sogar speziell auf jemanden mit Erleuchtungs/Gottesrealisations"Hintergrund" schlicht GottesProjektionen hat.


Mit anderen Worten: dass ein wesentlicher Teil des Konflikts möglicherweise gar nicht primär zwischenmenschlich gelagert ist, sondern einerseits intern besteht und andererseits von der entsprechenden Seele aus zum Göttlichen/Ultimativen.

Nur dort kann der Konflikt gelöst werden. Dabei kann man sicherlich als erfahrene/r Begleiter:in unterstützend den Weg weisen, aber ich halte es aus heutiger Sicht nicht mehr für sinnvoll, dafür persönlich als KontaktFläche zur Verfügung zu stehen.

Dies ist also ein vertiefender und spezialisierter Kontext für das, was ich weiter oben über emotio-energetische Gewalt beschrieben habe. Und vielleicht ist das die wichtigste menschliche Konsequenz daraus: Ich muss nicht mehr vollständig verstehen, woher eine Projektion kommt, um eine Grenze setzen zu dürfen.


Ich habe daraus umfassend gelernt, es menschlich ernst zu nehmen, wenn ich mich mit jemandem als Mensch/Frau unwohl fühle, wenn mir jemand Angst macht oder wenn ich jemanden als unangemessen, nicht vertrauenswürdig oder nicht in seiner oder ihrer SelbstVerantwortung erlebe. Es ist für mich ein Tabu geworden, in diesen Situationen "im Göttlichen zu verweilen" oder "aus dem Göttlichen zu kommen".

Zudem wird mir immer klarer, dass wenn mich jemand erst zur Retterin aus allem Elend und dann für die Ursache all seiner/ihrer Probleme erklärt, hier ziemlich sicher eine GottesProjektion vorliegt und es nicht hilft, dafür zur Verfügung zu stehen.


Es ist ein nicht zu unterschätzender ProzentSatz von Projektionen, die spirituell Suchende auf Lehrer:innen/Begleiter:innen haben, bei denen sich die jeweilige Problematik eigentlich vorrangig auf das Göttliche bezieht, aber auf den Begleiter übertragen wird.

Das ist eine äußerst heikle Situation und manchmal ist eine Beendigung der Begleitung die einzig hilfreiche und sinnvolle Maßnahme, wenn ein wiederholtes Ansprechen das Thema nicht bewegen kann.



Zu radikal aus GöttlicherLiebe zu kommen, kann Menschen überfordern


Besonders meine GottesRealisation hat dazu geführt, dass ich ein dauerhaftes, tiefes Erleben von Unschuld, Liebe und Gutheit in mir selbst und in allen anderen hatte – unabhängig davon, wie sehr sich jemand menschlich daneben benommen hat oder sich selber als unzulänglich oder unwert empfunden hat.

Speziell herausfordernde Auswirkungen hatte dies in meiner Praxis häufig bei der SchattenArbeit.

Schatten ist für mich erstmal alles, was unbewusst ist. Das psychologisch-emotional Verdrängte und Unterdrückte. Das Unintegrierte. Das, was wir im Guten wie im Schlechten auf andere projizieren und auslagern. Nicht gelebte SeelenGaben. Unverkörperte Essenz. Aber auch die zuvor beschriebene Dunkelheit gehört bei vielen Seelen bislang zum Schatten.


Wenn mich jemand autorisiert oder ausdrücklich gebeten hat, mit dem Schatten zu arbeiten (ich habe es nie ohne Autorisierung getan), bin ich da anfangs stets (und immer wieder aufs Neue) mit vollem Elan und AbenteuerLust und dem tiefen Wissen, dass wir eigentlich einen Schatz ausheben, an den Prozess herangegangen.

Die meisten meiner Facilitant:innen konnten dies gut aufnehmen, emotional verdauen und heilsam integrieren. Einige wenige wirkten zunächst so, als könnten sie die Prozesse gut aufnehmen und integrieren. Rückblickend wurde mir jedoch deutlich, dass das bei manchen nicht in dem Maß geschehen war, wie ich damals angenommen hatte und es von ihnen kommuniziert wurde.

Nun arbeiten nicht viele nonduale Lehrer proaktiv mit dem psychologischen/seelischen Schatten, weil das zum persönlichen Selbst gehört, welches in nondualen WeltBildern folgerichtig keine Relevanz hat. Aber vielleicht kannst du, liebe:r Kolleg:in dies ggf. dennoch auf deine Arbeit transferieren, wenn du an Dynamiken oder Situationen denkst, in denen du "vom Ultimativen" kamst und dein Gegenüber menschlich-persönlich überfordert hast.


Ich glaube, es ist wirklich wichtig, dass wir uns klarmachen, dass es für unsere Facilitant:innen durchaus schwierig zu greifen und einzusortieren ist, dass es aus Sicht des GöttlichenSeins mit Schatten grundsätzlich überhaupt kein Problem gibt, während Schatten aus der Sicht des persönlichen, verwundeten Selbst extrem angsteinflößend und schambehaftet sein kann.

Wir wissen nach Erleuchtung/GottesRealisation unhinterfragbar, dass es durch die Augen des Ultimativen absolut nichts zu fürchten gibt: kein Schatten ist zu dunkel, kein Abgrund zu tief, keine "Sünde" unverzeihlich. Für Menschen ohne GottesRealisation/Erleuchtung ODER einem eigenen tief-verankerten Gefühl von persönlicher innewohnender Gutheit kann das jedoch harter Tobak sein.


Ich glaube heute, dass zu radikal aus UltimativerLiebe zu kommen und in anderen immer vorrangig die Essenz zu sehen, statt ihnen primär in menschlichen Valenzen zu begegnen, Menschen zu stark fordern und verwirren kann – besonders dann, wenn -was in vielen Menschen der Fall ist- es eine konfuse Mischung in ihnen gibt, in der sie z.B. an der KontaktFläche eher machtvoll, dominant oder sogar bedrohlich und angriffslustig auftreten oder stark im Widerstand oder in Projektionen um sich schlagen oder sich zurückziehen und machtvoll in Nebel abtauchen und nicht mehr ansprechbar sind, während sie sich selber gleichzeitig vorrangig als Opfer und ausgeliefert oder ungerecht behandelt erfahren, mit UnwertErleben und Ohnmacht oder in FeindBildern fusionieren und kaum Zugang zu ihrer Essenz und Gutheit haben.


Ich habe die Methode und den Platz, von dem wir uns einem SeelenSchatten heute annähern, grundlegend verändert und ich habe seitdem keine negative, beängstigende, grenzüberschreitende oder anderweitig unangemessene Begegnungen mehr mit Facilitant:innen erlebt, die aktiv mit einem SchattenAnteil gearbeitet haben. Es ist jetzt selbstverständlich, dass sie selber für die Gefühle und Reaktionen ihres Teils zuständig sind und sie als SeelenSelbst die KontaktFläche darstellen, nicht der Schatten.

Ich habe daraus außerdem für mich gelernt, zu Beginn einer Zusammenarbeit genauer mit dem Menschen hinzuschauen, was seine/ihre Beweggründe sind, InDivinality als Dharma und LebensWeg umarmen und beschreiten zu wollen und ob es aktuell auch wirklich die innere Kapazität dafür gibt. Da ich schon häufig erlebt habe, dass Menschen diese Aussage so hören, als würde ich Menschen dadurch für nicht gleichwertig erklären, möchte ich sicherheitshalber sagen, dass es darum wirklich überhaupt nicht geht: Es kommt vielmehr aus Achtsamkeit und Aufmerksamkeit dafür, wo ein Individuum auf seiner/ihrer SeelenReise gerade steht.

Es kann sein, dass ein Mensch zu einem bestimmten Zeitpunkt zunächst andere Formen von Unterstützung braucht, um sich zu stabilisieren, bevor eine tiefgreifende Dekonstruktion des StrategischenSelbst hilfreich sein kann. Das ist für mich keine Frage von „reif“ oder „unreif“, „gleichwertig“ oder „nicht gleichwertig“, sondern eine Frage von Resonanz, Kapazität und Timing.

Gleichsam solltest du bestenfalls auch geerdet mit beiden Beinen in der Welt stehen, bevor du dich in die AstralWelten begibst. Du brauchst eine solide Erfahrung von deinem möglichst geheilten, realisierten, essenzierten Selbst, um dich auf einen Pfad zu begeben, der dir hilft, dein SelbstEmpfinden zu verlieren.

Du hast bestenfalls eine tiefgreifende Beziehung zu deinem heilenden, persönlichen Willen und deiner individuellen Liebe, bevor du dich tiefgehend auf die Suche danach machen kannst, wer das Göttliche selber in Essenz ist.


Ich persönlich würde euch Kolleg:innen gern dazu ermutigen, aufmerksamer zu prüfen, mit wem ihr arbeitet. Mir sind Beispiele bekannt, wo Menschen mit Psychose "im Aufwachen" unterstützt wurden und danach deutlich schlimmer dranwaren als vorher. Ich habe auch von psychisch äußerst labilen Individuen gehört, dass sie dazu ermutigt wurden, sich sterilisieren zu lassen, weil das offenbar schneller zur Erleuchtung führt.

Ja, jeder Erwachsene ist für sich selbst verantwortlich.

Aber hier geht es ja auch erneut darum, wie wohl und stimmig wir uns eigentlich selber mit dem Gegenüber fühlen. Und mal ganz ehrlich: Mit Menschen, die aus diffuser Not, für die sie aktuell wenig Verantwortung übernehmen wollen oder können, zu arbeiten, fühlt sich in aller Regel auch für uns selber nicht befriedigend resonierend an, oder? Wir spüren ja selber, dass das, was wir eigentlich anbieten wollen und können, gar nicht wirklich genommen werden kann; nicht wirklich landet; nicht das bewegt, was es bewegen könnte.

Was, wenn wir nicht "zu erleuchtet" sind, um diese menschliche Vorliebe aus Liebe zu unserer Menschlichkeit und unserer Liebe zu Menschen ernst nehmen?



Abschließend möchte ich sagen: Ich weiß heute, dass meine für einige Jahre noch nicht vollständig integrierten spirituellen Shifts in manchen Begegnungen Dinge ausgelöst haben, die für die jeweiligen Menschen schwierig oder überfordernd gewesen sein können. Das berührt mich, und es tut mir leid, wenn ich menschliche Grenzen oder Bedürfnisse dabei nicht ausreichend wahrgenommen habe.

Gleichzeitig möchte ich heute nicht mehr für die gesamte Erfahrung anderer Menschen Verantwortung übernehmen. Ich kann meinen Anteil anschauen, daraus lernen und Verantwortung dafür übernehmen, was tatsächlich mein Anteil war.

Was darüber hinausgeht, gehört nicht zu mir.


Gleichzeitig ist es meine Wahrheit, dass es für uns alle das erste Mal auf unserer SeelenReise ist, dass wir versuchen, das PersönlichMenschliche, das EwigSeelische, das NichtSelbst und die ultimative göttliche LiebesEssenz in einer Gestalt zu vereinen. Dass dabei jede und jeder stolpert, Dinge falsch einschätzt und auch einmal gegen einen Baum rennt, liegt für mich in der Natur der Sache. Ich persönlich konnte es jedenfalls nicht schneller und tiefer integrieren als es geschehen ist und die Folgen waren die Themen, die ich oben beschreibe.


In den letzten zwei bis fünf Jahren hat sich sowohl in mir persönlich als auch in der GrundAusrichtung von InDivinality und in meiner Art der Begleitung Grundlegendes bewegt und verwandelt und darüber bin ich enorm froh, dankbar und erleichtert.


Ich weiß nicht, was davon bei dir landet.

Vielleicht etwas, das dich bestätigt, vielleicht etwas, das dich irritiert, vielleicht auch etwas, dem du widersprichst.

All das darf sein.

Mir war wichtig, diesen Rückblick heute aus einem anderen Platz heraus zu schreiben: weniger aus dem Bedürfnis, mich zu erklären oder zu rechtfertigen, und mehr aus der Bereitschaft, meinen eigenen Anteil ehrlich anzuschauen – ohne deshalb die Verantwortung für alles zu übernehmen, was zwischen Menschen geschieht.

Wenn dich etwas davon bewegt, irritiert oder zum Nachdenken bringt, freue ich mich über einen Austausch.

Und wenn du selbst als spirituelle:r Lehrer:in oder Begleiter:in arbeitest und Lust auf einen ehrlichen Blick von außen hast: Ich stehe auch für Supervision zur Verfügung, unabhängig davon, welches WeltBild du vertrittst.



In Liebe

Iona


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