Mein Testament über die Erschaffung der Welt und wie ich mich damit fühle

Den nachfolgenden Text habe ich aus einem weiblichen Anteil in mir geschrieben, der sich weigert, in diesem Logos und in das „Mensch-sein“ zu inkarnieren, und sein Leben in mir wahlweise als Geist fristet, indem er sich aus Persönlich-Menschlichem, aus Beziehung weitestgehend heraushält bzw. darüber erhaben ist mit der Grundhaltung: „Mir kann hier keiner irgend etwas.“

Ihr Sitz ist in einem Elfenbeinturm, hoch oben über allem. Von dort blickt sie geringschätzig und verachtend auf das herab, was die Menschen hier so „anstellen“. Ihre Begründung, in ihrem Turm zu bleiben: Weil es sich nicht lohnt. Das ist die massive Fassade, gespeist aus dem Willen, nichts von sich preiszugeben, nicht sichtbar/ fühlbar zu werden.

Nachdem ich ihre Haltung und Gefühle eine Weile in verschiedenen kindheitsbedingten und gender-spezifischen Kontexten prozessiert habe und sich dadurch auch schon erste Bewegungen in ihr zu zeigen begannen, riet Simône mir schließlich dazu, diese Haltung in mir mal unter dem Fokus zu fühlen, dass meine IP den irdisch-physischen Logos insgesamt für eine Schnapsidee Schöpfers hält.

In diesem Kontext habe ich dann mein eigenes Testament (einen eigenen Schöpfungsbericht) verfasst. Beim Schreiben und mehr noch beim Teilen in meiner ProzessGruppe stieg dieser weibliche Teil dann erstmalig von ihrem Elfenbeinturm herab und zeigte sich mit ihrer Verzweiflung darüber, „hier“ zu sein. Das war magisch.


Mein Testament über die Erschaffung der Welt und wie ich mich damit fühle

Im Anfang dieses, des jüngsten Zeitalters schuf Gott Himmel und den irdisch-physischen Logos. Die Erde – der Ort mit der größtmöglichen Entfernung zu Schöpfer, die den Himmel zu etwas Abstraktem macht, luftige Höhen mit weiß-grauen Wolken vor blauer, dann nachtschwarzer Unendlichkeit. Weite, die man hier unten nicht fähig ist zu erreichen, und – selbst wenn – wo ist dann „zu Hause“?

Und Er/ Es steckte uns weite, unsterbliche Seelen in einen engen, vom Verfall gezeichneten Körper; als Mann und Frau schuf Er/ Es uns und befand es als gut. In dem Logos mit den größtmöglichen Gegensätzen sollen wir nun ganz Mensch sein – wider unsere Natur. Unendlichkeit in eine endliche Hülle gesteckt und bis zur Unkenntlichkeit verformt/ ge - formt.

Das Erdzeitalter, Schöpfers tiefste, dichteste Realität; jene, der Er/ Es sich am wenigsten bewusst ist, weil wir uns unserer Selbst, unserer Göttlichkeit hier unten am wenigsten bewusst sind, weil wir sie in diesem Körper nicht fühlen können. Zumindest habe ich das Gefühl, ich kann meine Göttlichkeit vielleicht nur deshalb noch fühlen, weil ich eben nicht bereit bin, wirklich, gänzlich zu inkarnieren!

Und Er/ Es schuf den Menschen nach seinem Ebenbild, und Er/ Es versah ihn mit der Aufgabe, sich durch alle verletzungsbedingten, elterlichen, entwicklungsbasierten Fehlidentifikationen des eigenen Ichs durchzugraben, durchzufühlen und sterben zu lassen, um Ihn/ Es in sich wiederzufinden und zu erkennen. Vater und Mutter der Gegensätze, Der/ Die von uns verlangt, eindeutig zu sein: ganz Frau oder Mann zu sein, ohne das jeweils andere Geschlecht in uns zu verleugnen; ganz in diesem Logos mit dem menschlichen Körper identifiziert zu sein, zu fressen, zu furzen und zu ficken in leidenschaftlicher Verzehrung, ohne die Anbindung an das Geistig-Leichte, Unkörperliche zu verlieren und ohne das dritte Auge zu verschließen; ganz erwachsen zu werden als Seele, ohne sich vor die Bedürftigkeit und den Hunger Innerer Kinder zu stellen und sie abzuschirmen, ohne irgendeine Not in sich selbst mit falscher Nahrung zu kompensieren und ruhig zu stellen.

Und Er/ Es ließ uns als Menschen auf die Welt kommen, geboren von Eltern, die es auch nicht besser wussten, die verletzt und verloren waren und die uns nicht fühlen konnten als die göttlichen Wesen, die wir waren. Und Er/ Es ließ es geschehen, dass wir uns völlig neue Identitäten aufbauten, uns anpassten, uns und unsere Eltern nicht im Herzen berühren und kennenlernen konnten; und Er/ Es stellte uns vor die Entscheidung, mit unseren Eltern verbunden zu bleiben und mit ihnen zu sterben oder die Unendlichkeit und Göttlichkeit unserer Seelen zu schmecken und unsere Eltern allein sterben zu lassen.

Und Er/ Es schuf die Welt als die Substanz gewordene Hölle. Es sind nicht die Pflanzen und Tiere, die Steine und überhaupt die gesamte Natur, in der wir sie erkennen. Es sind die Anderen, die uns darauf stoßen und uns ihrer gewahr werden lassen. Die Hölle, das sind die Anderen. Jene, die uns zeigen, dass es nicht geht, dass es nicht reicht, dass es nicht passt, dass es unmöglich und unvereinbar ist und immer zu bleiben scheint.

Jede Errungenschaft, jeder Gewinn, jede Liebe ist hier unten der Endlichkeit und der Verderbnis geweiht. Je größer das (weltliche) Glück, desto größer der Verlust und das Leid.

Und Schöpfer sah, dass dies gut war. Wenn das gerecht ist, ist es dann verwerflich, wenn man sich dazu entscheidet, nichts zu investieren?

Julia Devers

Januar 2017

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