Mein langwieriger Shift von primärem Willen/Macht zu primärer Liebe


Ich möchte in diesem Artikel beschreiben, wie es mir mit dem Prozess einer meiner IPs geht, welche Lucius [Lußius] heißt. Lucius ist ein Machtteil, der auf Handlungsebene bezüglich seiner massiven Widerstände durchaus vergleichbar ist mit anderen Machtteilen von mir. Der Unterschied bei Lucius ist, dass er bereits in einem ungeheilten Zustand die primäre Emotionalität fühlen kann, ihn das aber nicht davon abhält, alles und alle in seinem Umfeld zu entsorgen, abzuspeisen oder aufzukündigen, wann immer es ihm passt.

Die Lehre von Lucius aus der Welt des primären Willens – in welcher er die allermeiste Zeit verbracht hat – ist, dass er ein grundsätzliches Misstrauen der Welt und jedem Menschen gegenüber hegt aus der Erfahrung heraus, dass jeder ihm auf irgendeine Weise Böses will und übel gesonnen ist. Dieses Misstrauen ist die Grundannahme, mit der Lucius über Äonen durch die Welten ging und welche durch keinerlei vertrauensstiftende Maßnahmen auch nur ansatzweise änderbar war – wie ein Fass ohne Boden. Konkret beruht es in diesem Leben auf den Erfahrungen, die ich mit meinem Vater gemacht habe und im weiteren Sinne mit meiner ausgeprägten Schwierigkeit, die Liebe Schöpfers für mich zu fühlen. Dieses Vater- und Schöpferthema ist in Lucius in besonderem Maße verankert. Für ihn ist dieses Misstrauen wie eine zweite Haut geworden und ist der ultimative Schutzmantel gegen jeglichen Verrat, welcher aus seiner Sicht unweigerlich erfolgen wird in dieser Welt von primärem Macht-Willen. Insofern kämpft Lucius nicht gegen die Liebe, wie meine IP Onu es getan hat. Vielmehr beansprucht er die Deutungshoheit über die Liebe in der Behauptung bzw. der scheinbaren Erfahrung, dass sie dem Willen folgt. Diese Dynamik hat in letzter Zeit eine zunehmende Absurdität entwickelt, da immer offensichtlicher wurde, dass nichts, was Lucius erfahren, gefühlt, gespiegelt bekommen oder erkannt hat; keine ausbleibenden Beweise der Bösartigkeit der Menschen in seinem Umfeld ihn dazu gebracht haben, von dieser Grundannahme Abstand zu nehmen. Er agiert in der Hinsicht scheinbar wie ein Kind im Trotzalter mit einem „will aber!“ Gefühl – er will (sicherheitshalber) danach handeln, dass die Liebe nicht vor dem Willen steht. Das Dilemma ist, dass die dahinterliegende, existenzielle Not inzwischen so sehr fühlbar ist – für andere und auch ihn selbst – er aber immer wieder entschieden hat, alles und alle wegzustoßen, sicherheitshalber. Für ihn hat sich das wie ein Spiel angefühlt, ein Spiel, in welchem das Gegenüber sich als würdig erweist, als wohlgesonnen. Ein Spiel, in welchem er das Gegenüber aber trotzdem irgendwann weggestoßen hat, wenn es ihm zu nah wurde. Ein Spiel, welches dann wieder von Null anfing, wo es kein sich langsam aufbauendes Vertrauenspolster gab. Es war ein Spiel, welches darauf aus war, jedes Gegenüber irgendwann zu zermürben – und für Lucius insofern IMMER beweisen würde, dass das Gegenüber ihm doch übel gesonnen ist, festgemacht an Handlungsebenen-Ergebnissen unter Ignorierung der dahinterliegenden (und für ihn theoretisch fühlbaren) Motivationen.

Dieses Spiel ist aus, zumindest in HD. Für ein Spiel bedarf es gemeinsamer Spielregeln, in diesem Fall Grundprämissen. Die Grundprämisse für die Arbeit in HD ist, dass man als Facilitant in die Frage hineinleben möchte, ob Liebe vor Wille/Macht stehen könnte und für das Erforschen dieser Frage und aller sich daraus ergebenden Konsequenzen ganz grundsätzlich bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Für Lucius bedeutet dies, in die Prämisse hineinzuleben, dass sein Gegenüber ihm grundsätzlich wohlgesonnen ist, anstatt grundsätzlich aus einem Misstrauen heraus zu agieren. Es bedeutet, die Not zu fühlen, welche dadurch entstanden ist, dass diese seine Sehnsucht nach Papa- und Schöpferliebe über so lange Zeit nicht beantwortet wurde bzw. dass er sie im Falle von Schöpfer nicht fühlen konnte. Es bedeutet für ihn, dass er riskieren muss, zu lieben und damit nicht zu landen – um seiner selbst Willen, aus (s)einer Selbstliebe heraus; dass er anfängt, dem Fühlen von „ich liebe aber!“ – an Stelle von „ich will aber!“ – mehr Raum zu geben entgegen allem, was mein Vater und wer auch sonst noch ihm versucht hat zu vermitteln. Das ist ein Schritt, den nur er selbst gehen kann. Iona, Jan und meine Trainee-Facilitatoren können ihn fühlen, spiegeln, begleiten – doch er ist derjenige, der es reinlässt, in sich behält oder aber es wegstößt oder entsorgt. Für Lucius ist es, als ob er nach Äonenlangem (3. Chakra-) Bauchmuskeltraining auf (4. Chakra-) Herzmuskeltraining umschaltet / umschalten muss. Diese Wahl, den Herzmuskel zu stärken und in die Prämisse hineinzuleben, dass dieser Muskel genau wie im Körper so auch in der Seele derjenige ist, welcher die primäre Quelle von Existenz-Leben-Sein ist, diese Wahl kann nur Lucius treffen. Jeden Moment neu, in jeder Situation neu.

Für mich – Lucius – ist es das, was den Shift von der Welt des primären Willens in die Welt der primären Liebe ausmacht. Kein großer WUMS!, kein Endkampf, kein einmaliges Waffen Niederlegen. Es ist ein WWWWWUUUUUUUUMMMMMMMMSSSSSSSS!, ein langer, mühseliger Prozess. Und ich stecke mitten drin.


Lucius

Juni 2017

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