Über das Intimitäts-, Liebes- und Sexualitätsdrama zwischen Casanova/Teddys & Verführerin-Engelchen

Über das Intimitäts-, Liebes- und Sexualitätsdrama zwischen Casanova-Teddybären und Verführerin-Unschuldsengelchen



Vorbemerkung: Ich habe diesen Text bereits vor einigen Monaten geschrieben und ihn meiner Frau sofort gezeigt. Sie empfand ihn als Zumutung und war damals nicht bereit, mir ihr Einverständnis für eine Veröffentlichung zu geben. Eine Veröffentlichung wäre, so ihre Worte, eine öffentliche Bloßstellung ihrer Person. Mit der Zeit änderte sich ihre Haltung und sie meinte, sie könne vieles von dem, was ich geschrieben habe, nicht verstehen. Eine Veröffentlichung des Textes käme für sie erst dann in Frage, wenn sie ihn nachvollziehen und einordnen könne. Mir kam es eher so vor, als würde sie die Veröffentlichung des Textes strategisch zu verhindern versuchen. Trotzdem war es nie meine Absicht oder mein Wunsch, meinen Text gegen ihren Willen zu veröffentlichen bzw. sie damit schlecht zu machen oder zu beschämen. Mit der Zeit wurde darüber hinaus immer klarer, dass sie eine Veröffentlichung nicht wirklich aus Empörung oder fehlendem Verständnis, sondern vielmehr aus Angst ablehnte: Aus Angst vor dem, was mein Text in ihr berühren und bewegen würde, aus Angst vor ihrer eigenen Angst. Dennoch: Es ist der Moment gekommen, an dem sie sich trotz großer innerer Widerstände ernsthaft und so offen wie für sie möglich mit meinen Zeilen auseinandergesetzt hat. Und sie war bereit, sich trotz eines gegenteiligen Willens schmerzhaft von meinen Worten berühren zu lassen. Das war groß und mutig von ihr und nun kann ich meinen Text veröffentlichen, ohne mich dabei rücksichtslos über sie hinwegsetzen zu müssen – auch wenn sie nach wie vor nicht von einer Veröffentlichung begeistert ist. Dafür aber, dass sie sich von dem, was nun folgt, hat im Herzen berühren lassen, bin ich ihr sehr dankbar. Über das Intimitäts-, Liebes- und Sexualitätsdrama zwischen Casanova-Teddybären und Verführerin-Unschuldsengelchen oder: „Warum ich dich ficken möchte, ohne mich dabei wie ein Ficker zu fühlen.“ Ich möchte in diesem Text über das Drama schreiben, das seit Ewigkeiten zwischen Männern und Frauen in der Domäne „Intimität, Liebesbeziehung, Sexualität“ abläuft. Ich fühle dieses Drama wahrscheinlich schon seit Langem, allerdings bisher nur durch fette Schutzknoten, sodass ich es (noch) nie wirklich berührbar und verletzlich wahrgenommen, voll bewohnt und beweint habe. Dieser Text soll keine theoretische Abhandlung werden, sondern ein verletzliches und berührbares Geständnis eines Mannes an eine Frau, besser gesagt eines Casanova-Teddybären an ein Verführerin-Unschuldsengelchen. Jeder Mensch, der dies liest, kann sich vorstellen, selber diese oder ähnliche Worte zu jemandem zu sagen oder sie von jemandem zu hören und kann dann schauen, was das in ihm/ihr als Mann/Frau, aber auch als Mensch bewegt und wo das in ihm/ihr landet. Mir ist klar, dass ich in vielem von dem, über was ich hier schreiben möchte, noch nicht die letzte Wahrheit fühle – weder als Mann, noch als Mensch. Ich werde dennoch versuchen, so herzvoll wie möglich von meinem aktuellen Platz aus zu schreiben und ich schreibe diesen Text bewusst in der Du-Form: Weil ich hoffe, dass es mir irgendwann gelingen wird, diese Worte berührbar und verletzlich meiner Frau zu sagen. Und zwar mit dem Wunsch, damit in ihrem Herzen landen zu können – als Mann, aber auch als Mensch. „Ich begehre dich so sehr, ich möchte dich einfach nur ficken!“ Niemals hätte ich mich getraut, dir diesen Satz schmucklos und ohne Glitzer, dafür aber verletzlich und berührbar zu sagen, während ich deinen nackten Körper voller Lust betrachte. Höchstens in einem dieser energetischen Performance-Momente, in denen eh alles geil und damit im Grunde belanglos ist, was ich sage. In denen es mich deshalb auch nichts kostet, so etwas zu sagen, weil es keine wirklich tiefe Bedeutung hat. In einem solchen Moment vielleicht. Aber selbst dann auch nur mit einem Augenzwinkern. Ficken, ja … aber eigentlich nicht so wirklich … also auf keinen Fall einfach NUR ficken. „Ficken“. Allein schon das Wort kann ich dir gegenüber doch gar nicht verletzlich und berührbar benutzen, ohne es irgendwie entkräften zu müssen, nicht wahr? „Ficken“. Das klingt wie sexueller Missbrauch, Vergewaltigung, Gewalt. Oder wie „scheiß egal“, ohne Liebe, ohne Bedeutung, vorne rein, hinten rein, oben, unten, abgespritzt und fertig. So hört sich doch „ficken“ an, oder? Ich meine das aber, wenn ich da hin fühle, wo meine Begierde für dich herkommt, überhaupt nicht so. Ich kann ein Unbehagen diesem Wort gegenüber aber durchaus verstehen. Es klingt hart und unnachgiebig. Und es hört sich in der Tat etwas schräg an, wenn ich es benutze und dabei fühle, was ich damit wirklich ausdrücken möchte. Denn mit „Ficken“ meine ich keine Pornonummer, kein schnelles Vögeln im Fahrstuhl, keinen Analverkehr in der Flugzeugtoilette. Ich meine damit meine Sehnsucht danach, mit meiner unschuldigen Begierde voll in deiner unschuldigen Hingabe zu landen – und ja: „Unschuld“ und „Ficken“ scheinen irgendwie nicht wirklich in ein und denselben Satz zu passen. Leider stecke ich hier in einem Dilemma: Einerseits möchte ich das, wonach ich mich sehne, ehren und würdigen – aber „Liebe machen“ klingt für mich ziemlich schleimig und „Sex haben“ oder „miteinander schlafen“ total bürokratisch. Andererseits möchte ich aber meine Begierde dir gegenüber auch nicht verweichlichen oder sie handzahm machen – aber „rammeln“, „bumsen“ oder „vögeln“ klingen echt billig und verkennen, wie fantastisch es wäre, könnte meine Begierde voll in deiner Hingabe landen. Mir fehlt also (noch) das passende Wort und ich merke: Bei allen Einschränkungen trifft es „Ficken“ momentan immer noch am besten. Und deshalb benutze ich dieses „Unwort“ hier auch weiterhin bewusst – auch wenn es scheinbar alle Zartheit, alle Vorsicht und allen Respekt vermissen lässt. Bitte häng dich nicht an diesem Wort auf, sondern versuche zu fühlen – und nicht sprachlich nachzuvollziehen –, was ich dir vermitteln möchte. Denn ich schreibe dir diesen Text, damit du verstehen kannst, warum mein Wunsch, dich einfach nur unschuldig zu ficken – könnte ich ihn verletzlich, berührbar und mit voller Herzbedeutung bewohnen –, das wertvollste Geschenk wäre, das ich dir machen könnte. Seitdem ich (sexuell) fühlen kann, wünsche ich mir, mit meiner Begierde voll in der Hingabe einer Frau zu landen. In sie einzudringen und dabei zu fühlen, dass ICH und kein anderer für sie der Größte, der Geilste, der Sexieste, der Schönste bin. Zu fühlen, wie sie sich nach MIR, nach MEINER Begierde, nach MEINEM Körper, nach MEINEM Schwanz verzehrt. Besonders unschuldig klingt das erstmal nicht. Und es ist mit Blick auf männliche Heilung auch sicher nicht die letzte Wahrheit, das ist mir klar. Trotzdem ist es mir wichtig, das hier so deutlich zu schreiben. Denn berührbar und verletzlich habe ich selbst diesen scheinbar alles andere als unschuldigen Wunsch bisher nie bewohnt. Ich hab mich nicht einmal getraut, ihn ehrlich wahrzunehmen oder zu fühlen. Viel zu viele Verbotsschilder kreisen für mich um diesen Wunsch, als dass ich ihn (bisher) hätte verletzlich denken oder äußern können – außer vielleicht oberflächlich und proletenhaft in einer biergeselligen Runde mit Kumpels. Doch ich fühle immer deutlicher, dass mich der Wunsch, für eine Frau der Geilste zu sein, schon seit Ewigkeiten vollkommen ausfüllt und regelrecht zerfrisst. Doch obwohl dieser Wunsch mein Handeln, Denken und Fühlen schmerzhaft (fast) vollkommen bestimmt, so habe ich – in diesem Leben zumindest – die Entscheidung getroffen, ihn mir nicht mit Gewalt und purem Willen zu erfüllen: Ich vergewaltige keine Frauen und missbrauche sie nicht sexuell, ich kaufe sie mir nicht und ich begrabsche und betatsche ihre Körper nicht aus der Heimlichkeit heraus, z.B. in der UBahn oder in der Disko. Stattdessen habe ich mir allerdings eine andere Strategie angeeignet, um mir von einer Frau die erhoffte Hingabe zu holen. Und diese Strategie ist im Grunde nicht weniger brutal, sondern sieht im ersten Moment lediglich weniger nach „einfach nur ficken“ aus: Ich begrabsche und betatsche, ich missbrauche nämlich das Herz der Frauen. Das gleiche habe ich auch mit dir gemacht, damit du dich mir hingibst. Anstatt dir von Anfang an berührbar und verletzlich zu sagen, dass ich dich heiß finde und dass ich dich ficken möchte und dass ich mir wünsche, dabei der Geilste für dich zu sein, habe ich dich vollgeschleimt und habe dich fühlen lassen, dass ich mit dir „Liebe machen“ möchte. Ich habe dir Bedeutung vorgespielt, habe dich fühlen lassen, dass du die Einzige für mich bist, dass ich dich liebe, dass ich dich heiraten und dass ich Kinder mit dir haben möchte. Ich war damit mehr oder weniger erfolgreich bei dir, denn ich durfte dich ficken – allerdings war dieser „Erfolg“ immer nur ein Scheinerfolg. Denn zum einen war die Bedeutung, die ich dir vorgespielt habe, immer nur Mittel zum Zweck – in erster Linie wollte ich dir keinen Antrag machen, sondern wollte dich ficken und wollte, dass du mich dabei geil findest. Das ganze Bedeutungsfeuerwerk, das ich dafür für dich abgebrannt habe, hat mich im Grunde also nicht wirklich viel gekostet, weil es nicht von tiefer Herzbedeutung, sondern von einer gut getarnten Strategie getragen war. Und damit war die Hingabe, die ich dadurch von dir bekommen habe, auch nur erschummelt und erschlichen. Hätte ich dir gegenüber mit offenen Karten gespielt, hättest du dich mir – wahrscheinlich – nicht hingegeben. Zum anderen glaube ich, war ich mit meiner Strategie aber auch nur deshalb so „erfolgreich“ bei dir, weil du immer schon eher Interesse an meinen schmuckvollen und glitzernden Versprechungen hattest, als an MIR, MEINER Begierde, MEINEM Körper und MEINEM Schwanz. Du hast meine Geschichten nie in Frage gestellt, sondern hast dir immer selber weisgemacht, dass ich sie genauso ernst meine, wie ich sie dir erzähle. Und ich hatte nie den Mut herauszufinden, ob du mich auch geil gefunden und mich rangelassen hättest, wenn ich dir meine Begierde ohne Tarnung und ohne Schmuck, dafür aber so verletzlich wie möglich, gezeigt hätte. Hätte ich dir keine „geilen“ Stories erzählt, wärst du dann bereit dazu gewesen, dich MIR (und nicht meinen Stories) leidenschaftlich hinzugeben? Ich weiß es nicht. Eher glaube ich jedoch, dass ich bisher größtenteils nicht nur erschummelte, sondern auch nur vorgespielte, nie aber echte Hingabe von dir bekommen habe. Meine Strategie war somit ein ziemlicher (Selbst-)Beschiss. Aber auch ein ziemlicher Missbrauch. Einerseits ein Missbrauch an dir, denn ich habe nie tief in mein Herzen gefühlt und mich gefragt, ob du tatsächlich die Einzige für mich bist, ob ich dich wirklich liebe, dich wirklich heiraten und wirklich Kinder mit dir haben möchte. Diese ganze Bedeutungskassette habe ich ohne ernsthaften emotionalen Gegencheck einfach ablaufen lassen – und übrigens bist du auch nicht die erste, die diese Kassette von mir vorgespielt bekommen hat. Ich habe auch nie ernsthaft nachgefühlt, was es für dich bedeuten könnte, die Einzige für mich zu sein. Möglicherweise wirklich die für mich zu sein, die ich liebe, die ich heiraten und mit der ich eine Familie gründen möchte. Und ich habe nie versucht zu fühlen, was es mit deinem Herz macht, wenn ich dir strategisch solche Versprechungen mache, nur um dich ficken zu dürfen, ohne mich dabei fühlend zu fragen, ob ich sie überhaupt von Herzen einhalten kann und möchte. Andererseits war meine Strategie aber auch ein Missbrauch an mir. Denn ich habe meinen eigenen Wunsch nie voll geehrt und gewürdigt: Den Wunsch, mit meiner Begierde voll in deiner Hingabe zu landen, OHNE dir große Versprechungen machen und tolle Geschichten erzählen zu müssen und OHNE ein zauberhaftes, glitzerndes Bild von mir zu malen. Den Wunsch, „einfach nur“ der Geilste für dich zu sein und zu merken, dass du dich nach meiner Begierde und nach MIR verzehrst – und zwar weil ICH und kein anderer der Geilste für dich bin. Und zwar egal, ob ich dich liebe, dich heiraten oder Kinder mit dir bekommen möchte. Wahrscheinlich wäre mein Wunsch nicht in Erfüllung gegangen. Wahrscheinlich hättest du mich gefragt, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, hätte ich dir meine Begierde gleich unverziert und verletzlich angeboten und gesagt: „Ich will dich einfach nur ficken und wünsche mir, dabei der Geilste für dich zu sein.“ Wahrscheinlich hättest du dich mir nicht hingegeben und ich hätte dich nicht ficken dürfen – und wer weiß: Wahrscheinlich wäre das viel gesünder gewesen, als der ganze Sex, den ich mir „auf meine Art“ von dir besorgt habe. Eines ist aber sicher: Ich hatte nie die Eier in der Hose, um es darauf ankommen zu lassen. Um meinem Wunsch volle Bedeutung zu geben und um dir so berührbar und verletzlich wie möglich und ohne romantisches Blabla zu sagen, was ich mir von dir wünsche. Und um mir dann im Zweifelsfall von deiner Zurückweisung das Herz brechen zu lassen. Ich hatte diesen Mut nicht, weil ich nie mit Selbstliebe und Selbstrespekt in mein Herz gehört und festgestellt habe, dass meine rohe, unverzierte Begierde, wenn ich sie berührbar und in voller Größe bewohne, etwas Verletzliches, Wertvolles und sehr Schönes ist. Anstatt das zu erkennen, habe ich mit meiner Begierde getan, was die Welt um mich herum seit ich fühlen kann mit männlicher Begierde tut: Ich habe sie weggedrückt und tabuisiert bzw. habe sie abgewertet und erniedrigt. „Wer ficken will, muss nett sein!“ Diesen Scheißspruch habe ich die ganze Zeit als Dogma, als unüberwindbare Barriere zwischen meinem 2. und 4. Chakra mit mir herumgetragen. Wer ficken will, muss nett sein? Leckt mich! Ich hab mich immer dazu gezwungen, „nett“ zu sein – viel zu nett. Ich wollte nie „so“ sein, wie „die anderen Männer“. Ich wollte nie einer dieser Ego-Wixer sein, dem es „nur“ ums Rammeln und ums Abspritzen geht. Dem die Frauen vollkommen egal sind. Ich wollte es immer „besser“ machen, wollte immer „besser“ SEIN als „alle anderen Männer“ und hab mich deshalb andauernd (pseudo-)moralisch erhoben – offensichtlich auch über mich selbst. Ich hab’s immer „ernst gemeint“, hab immer „was Festes“ gesucht, immer „Liebe“ – und habe diese Ego-Wixer, auf die ich so arrogant und erhaben herabgeblickt habe, dabei irgendwie auch immer total beneidet. Die Wixer, für die eine Frau nur ein paar Löcher mit ein bisschen Haut drum herum ist und die „einfach nur ficken“ wollen. Ich erzähle nichts Neues, wenn ich sage, dass es einen riesigen Haufen Männer gibt, denen du und deine unschuldige Hingabe komplett egal wären – oder die zumindest so tun würden, als wäre es so. Männer, denen es nur darum geht, sich in dir zu erleichtern. Die dich ficken würden, ohne dabei mit dem Herz zu zucken. Die in dir abspritzen würden, um dich dann beiseite zu packen. Das ist widerlich, erbärmlich und schrecklich. Das ist eine Schande für das Mann-Sein. Und sich davon abgrenzen und es als Mann den Frauen gegenüber besser machen zu wollen, ist auch mehr als berechtigt. Aber ich habe es ja nicht besser gemacht. Ich habe geschleimt. Ich habe gelogen. Ich habe nie ehrlich gefühlt, dass es mir (bei allen guten Schein-Vorsätzen) in erster Linie auch „nur“ ums Ficken geht – ein für mich erstmal total beschämendes Eingeständnis. Und ich habe strategisch deine Wünsche benutzt, um mir etwas zu holen, was ich mir heimlich gewünscht, aber nie berührbar und verletzlich bewohnt habe. Um was ich mich nicht getraut habe, dich ehrlich und verletzlich zu bitten. Dem ich nicht geschafft habe, Würde und Bedeutung zu verleihen. Ich habe damit meinen Wunsch abgewertet, verraten und misshandelt und ich habe damit deine Wünsche missbraucht. Und das ist auch eine Schande für das Mann-Sein. Sieh dir an, was daraus geworden ist: Ein fataler Deal, der weder etwas mit Respekt dir, noch mit Respekt mir gegenüber zu tun hat. Ein Deal, bei dem ich mich nicht traue, dir ehrlich und ohne Hintertürchen zu sagen, dass ich nicht weiß, ob ich meine Bedeutungsversprechungen dir gegenüber einhalten kann und möchte. Ein Deal, bei dem ich nur die halbe Wahrheit sage, weil ich den Sex mit dir nicht verlieren möchte – weil ich es immer noch brauche, dich ficken zu dürfen, um dabei das Gefühl zu bekommen, der Geilste für dich zu sein. Ein Deal, bei dem ich mich mit erschummelter und vorgespielter Hingabe getröstet und zufriedengeben habe, so als sei sie besser, als gar keine Hingabe. Ein Deal, bei dem ich zu feige und respektlos mir selbst gegenüber war, um voll reinzulassen und zu fühlen, was ich bei meinen Bemühungen um deine sexuelle Hingabe eigentlich oft genug gespürt habe: Dass du dich nicht von mir ficken lässt, weil ich der Geilste für dich bin und weil du dich danach verzehrst, dich MIR und keinem anderen hinzugeben. Sondern dass du dich von mir ficken lässt, weil du hoffst, durch Sex Liebe von mir zu bekommen. Dass du dich von mir in der Erwartung ficken lässt, dass ich dir dann schneller einen Antrag mache. Dass du dich von mir ficken lässt, weil es „irgendwie ja auch dazu gehört“, dass ich als dein Partner ab und zu mal über dich drüberrutschen darf. Dass du dich von mir ficken lässt, nicht um MEINEN Schwanz in dir zu spüren, sondern immer mit dem Wunsch, ein Kind damit zu zeugen – als scheinbaren Beweis meiner Liebe für dich. Dass du dich nicht von MIR, sondern von meinen „geilen“ Versprechungen ficken lässt. Und dass du mir auch oft genug den Sex mit unglaubwürdigen, halbgaren Ausreden verweigert hast, um mir zu zeigen, dass du es nicht nötig hast, dich auch nur ein bisschen tiefer von meiner Begierde berühren zu lassen. Und ich hab’s nie gepackt, diesen Deal verletzlich zu benennen und freiwillig aus ihm auszusteigen. Immer wieder habe ich mich gefragt, warum ich dich so oft um Sex angebettelt und so offensichtlich dazu mit mir überredet habe und warum ich mir dabei selbst so wenig wert war. Warum ich mich von den scheinbar „guten Malen“ Sex mit dir immer wieder hab blenden lassen, um dann wieder und wieder diese erniedrigende Schleimnummer abzuziehen, anstatt aus Selbstachtung darauf zu verzichten. Die Antwort ist: Weil ich es nicht ausgehalten hätte, nicht mir dir zu schlafen. Weil ich (bisher zumindest) nicht fühlen wollte, wie jämmerlich, wie klein, wie unsexy und wie null begehrenswert ich mich fühle, wenn ich dich nicht ab und zu mal ficken darf. Wie unerträglich es bisher für mich war, wenn du mich nicht immer mal wieder rangelassen hast (egal ob mit Lust oder ohne), damit ich mich für einen kurzen Moment zumindest etwas sexy und begehrenswert fühlen konnte. Weil ich süchtig nach der Droge „Sex“ und der Schein-Bestätigung bin, die ich aus ihr ziehe. Weil ich mich mit Sex betäubt habe, um nicht diese dumpfe und schmerzhafte Leere in mir zu fühlen. Um nicht in dieses unerträgliche Loch in mir schauen zu müssen, dass selbst dann noch leer geblieben wäre, hättest du dich mir zehnmal täglich mit voller Leidenschaft hingeben. All das kann ich noch nicht voller Wucht reinlassen und voll fühlen, was das für einen Wahnsinn für mich bedeutet. Ich bin im Moment eher rat- und hilflos und versteinert. Ich sehe, dass ich einen ersten Schritt machen kann und durch einen Entzug von dieser Sex-Droge meinem Herz eine Chance auf Heilung geben kann. Und ich sehe, dass sich ein Entzug, wenn ich ihn aus dieser Haltung heraus wähle, nicht wie eine Bestrafung anfühlen muss, sondern eher wie der Beginn eines Heilungsweges. Und doch sind es Angst und Ohnmacht die ich fühle, wenn ich mir klar mache, dass ein Entzug nicht nur aus dem Verzicht auf Sex im engeren Sinne – also auf Penetration – besteht, sondern auch aus dem Verzicht auf Pornografie, auf maßlose Masturbation mit pornografischen Phantasien, auf kleine, scheinbar unverbindliche Flirts mal hier mal da, auf erhaschte Blicke in der Bahn, auf etwas zu lange Umarmungen, auf leicht verfängliche Unterhaltungen über emotionale Themen, auf charmante Selbstdarstellung, kurz gesagt: auf alles, womit ich mir bisher krampfhaft von dir und anderen realen oder virtuellen Frauen die Schein-Bestätigung dafür geholt habe, begehrenswert zu sein. Und ich weiß nicht, ob ich diesen Verzicht aushalte – vor allem weil ich gar nicht weiß, ob ich nicht vielleicht für immer werde verzichten müssen. Denn ich habe keine Ahnung, was noch gefühlt von mir als Mann übrig bleibt, wenn ich mir die Schein-Bestätigung nicht hole. Wenn ich meine Begierde nicht nach außen presse, sondern sie in mir halte und es beweine, dass ich mit ihr nicht voll und verletzlich bei dir landen kann. Wenn ich mir den Blick nicht verneble durch scheinbar „schöne Momente“, sondern ihn stattdessen auf die Wunde lenke, die tief und bisher weitgehend unbewusst, aber immer fühlbar in mir geschmerzt hat. Warum bin ich bisher so leer und deshalb beim Sex so unersättlich gewesen? Warum habe ich dir meine Begierde bisher immer in service angeboten, um von dir dafür das Gefühl zu bekommen, der Größte, Geilste, Schönste und Begehrenswerteste zu sein? Warum greife ich auch ansonsten nach jedem noch so kleinen Strohhalm, der weibliche Bestätigung verspricht? Warum gibt es in mir offensichtlich keine Gewissheit darüber, dass ich groß, geil, schön und begehrenswert bin? Wie schmerzhaft fühlt sich diese Leere wirklich an, wenn ich sie nicht wie bisher so massiv betäube? Und wie hängt all das mit meiner Bereitschaft zusammen, meine Begierde lieber zu beschämen, zu verpacken und abzuwerten, anstatt sie berührbar und verletzlich zu fühlen und zu ehren? Mich all dem fühlend zu nähern und dabei Halt in mir zu finden, erscheint mir im Moment (fast) unmöglich. Gleichzeitig ist mir aber klar, dass es lediglich die komfortablere Variante ist, dich in deiner Rolle als Verführerin-Unschuldsengelchen für meine Misere verantwortlich zu machen und mich als Opfer darzustellen, als dorthin zu fühlen, wo es wirklich wehtut – und wo mein Casanova-Teddybär bisher auf keinen Fall hinfühlen wollte. Leise beschleicht mich nämlich das Gefühl, dass nicht du mir diese Suppe eingebrockt hast, dass du sie aber bisher stellvertretend mit mir auslöffeln durftest. Ich kann mich nur noch im Kopf, aber nicht mehr (wirklich) im Herzen daran erinnern, wie es war, als ich anfing, Mädchen heiß zu finden. Als ich anfing, mir ihre Hintern in ihren engen Jeans und ihre Brüste in ihren engen T-Shirts anzuschauen und zu denken: „Geil!“ Als ich anfing mir vorzustellen, wie es wohl unter ihren Bikini-Höschen aussehen mag. Als ich gar nicht mehr aufhören konnte, mich in irgendeine von ihnen zu vergucken, weil es auf einmal so viele von ihnen gab, die mich scharf machten. Ich kann mich nur noch im Kopf, aber nicht mehr (wirklich) im Herzen daran erinnern, wie es dann war, als ich mit meiner aufkeimenden Lust keinen Erfolg hatte. Als ich keinen dieser hübschen Körper anfassen durfte. Oder vielleicht mal kurz, um dann danach die kalte Schulter gezeigt zu bekommen, so als sei nichts gewesen. Als ich anfing abzublitzen und zu hören bekam, ich sei „irgendwie ein bisschen peinlich“ oder „ja ganz süß, aber halt auch ein bisschen dick“. Als FRAU mir sagte, ich hätte „irgendwie ne komische Frisur“ oder „irgendwie hässliche Klamotten“ an – „aber wir können ja Freunde sein“ … na toll. Ich kann mich nicht mehr (wirklich) im Herzen daran erinnern, wie es war, als ich anfing daran zu zweifeln, ob ich jemals mit einem Mädchen würde knutschen geschweige denn ins Bett steigen dürfen. Als ich anfing, mich für mich, für meinen Körper und für meine etwas unbeholfene und offensichtlich auch etwas willkürliche Lust zu schämen. Als ich anfing mich mit dem Gedanken anzufreunden, dass ich mir die Mädchen, die ich wirklich heiß finde, aber mal so richtig abschminken kann und dass ich froh sein darf, wenn mich überhaupt mal irgendeine ranlässt. Und ich fühle nicht mehr, wie es war, als mir klar wurde, was da bereits im Teenager-Alter für eine Scheiße zwischen Jungs und Mädchen abläuft: Dass es schon da die ganze Zeit viel mehr um Status, Image, Strategie, Macht und um die Vermeidung von etwas ging, als um Hingabe, Nacktheit, Verletzlichkeit, Mut, unschuldige Begierde und darum, etwas zuzulassen. Aber ich erinnere mich, dass damals niemand in mein Zimmer gekommen ist, um mit mir dieses Drama zu beweinen: Das Drama, dass mich kein Mädchen so reinlassen wollte, wie ich bin. Dass damals niemand da war, bei dem ich mit all dieser Panik, all dieser Scham, all dieser Wertlosigkeit hätte kollabieren und weinen können, ohne mich dabei noch panischer, beschämter oder wertloser zu fühlen – sondern von dem ich aufgefangen worden wäre und bei dem ich mich in all dem Schmerz dennoch hätte groß fühlen können. Dass damals niemand neben mit saß, um mir den Arm um die Schulter zu legen und „Du hast so Recht …“ zu sagen. Sondern dass mir damals höchstens jemand gegenüber saß und sagte: „Je mehr du es haben möchtest, desto weniger wirst du es bekommen. Hör auf es zu wollen, dann wird es irgendwann ganz von alleine kommen.“ Mag sein, dass da irgendwo ein Funken Wahrheit dran war. Dennoch: Fuck you! Was für ein verdammter Schwachsinn. Fuck you dafür, dass du mich so hängen lässt. Ich möchte das alles nicht mehr. Ich möchte mich (sexuell) nicht mehr wie das blinde Huhn fühlen, dass „bestimmt auch mal ein Körnchen findet“, oder wie der berühmte Topf, „für den es irgendwo da draußen mir Sicherheit auch einen Deckel gibt“. Ich möchte mich nicht mehr so erbärmlich, unsexy, klein und null begehrenswert fühlen, dass ich nach jedem Krümel weiblicher Hingabe nur so lechze. Ich möchte mich für meine Begierde nicht mehr schämen oder mich selbst dafür beschämen, indem ich mir sage, dass ich es eh nicht wert bin, darin gesehen und erfüllt zu werden. Und ich möchte den ganzen Bullshit nicht mehr, den ich mir zur Verdrängung dieses ganzen Dramas übergestülpt habe: Das Kaschieren, Tarnen, Abwerten, Verdrängen oder Missachten meiner Begierde. Die Ungewissheit, ob meine Begierde nicht vielleicht doch nur ein Ausdruck von Geringschätzung, Objektivierung oder Ignoranz Frauen gegenüber ist. Die Angst, meine Begierde könnte vielleicht etwas Böses, Gewalttätiges, Missbrauchendes oder Unberührbares sein. Und diese innere Stimme, die mir sagt, meine Begierde sei etwas Unwichtiges, Minderwertiges oder emotional Leeres – im Gegensatz zum weiblichen Wunsch nach Liebe und Bezogenheit. Ich möchte mich und mein Herz – mit Ionas Hilfe – so sehr nähren und heilen, dass ich mich groß, geil, sexy und begehrenswert fühle. Dass ich fühlen kann, dass meine Begierde in ihrer essenzhaften Form aus Liebe kommt und voll Liebe ist. Ich möchte fühlen, dass die Tatsache, dass ich dich in erster Linie sexuell begehre, der natürliche und gesunde Ausdruck dessen ist, wie ich mich als Mann auf dich als Frau primär beziehe. Ich möchte fühlen, dass mein Wunsch nach Hingabe genauso wertvoll und schön ist, wie dein Wunsch nach Bezogenheit und Liebe. Ich möchte fühlen, dass meine Begierde, wenn ich sie tief, berührbar, verletzlich und bezogen, ohne Strategien, ohne doppelten Boden und ohne Hintertürchen, nackt und durch mein Herz bewohne und sie dir mit der Bereitschaft anbiete, mir von deiner Zurückweisung das Herz brechen zu lassen, das Wunderbarste und Größte ist, was ich dir schenken kann. Und ich möchte fühlen, wirklich fühlen und mir nicht als Mantra vorbeten, dass ich es als Mann wert bin und es verdient habe, dass mich eine Frau mit meiner Begierde voll rein- und in ihrer Unschuld und Sinnlichkeit landen lässt. Im Moment „weiß“ ich das alles höchstens in meinem Kopf. Und ich hoffe, dass das irgendwann auch mal in meinem Herz ankommt. Denn ich sehne mich danach, dich irgendwann einmal ficken zu dürfen, ohne mich dabei wie ein Ficker fühlen zu müssen – zumindest dann nicht, wenn „Ficker“ für „liebloses Arschloch“, „unberührbarer Patriarch“, „brutaler Vergewaltiger“ oder etwas Ähnliches steht. Denn nichts davon bin ich. Schon gar nicht dort, wo meine rohe Begierde für dich herkommt. Und ich sehne mich danach, dir meine Begierde irgendwann nicht aus seelischer Leere anzubieten, um von dir die Bestätigung dafür zu bekommen, dass ich der Größte, Geilste, Sexieste, Schönste und Begehrenswerteste bin. Sondern dir meine Begierde irgendwann aus seelischer Fülle schenken zu wollen, ohne Überheblichkeit oder Arroganz, sondern schlicht und einfach aus der selbst-liebevollen Gewissheit heraus, dass ich groß, geil, sexy, schön und begehrenswert bin. Und mit dem tiefen Wunsch, mit meiner berührbaren und verletzlichen rohen Begierde in deiner Hingabe landen zu dürfen – und zwar in deiner unschuldigen Hingabe. Denn wenn ich von „Ficken“ spreche, dann meine ich nicht, dass du dich lasziv vor mir räkelst und mir dein Loch theatralisch stöhnend vor die Füße wirfst. Oder dass du mich flehend anbettelst, dich härter zu stoßen und dabei so tust, als wär’s erst dann so richtig geil. Ich möchte nicht, dass du dich mir vollkommen willenlos auslieferst und dich von mir benutzen lässt, bis ich mich selber anfange vor dem zu ekeln, was ich alles mit dir machen könnte. Und ich möchte nicht, dass du mich routiniert zum Abspritzen bringst und dann sofort im Bad verschwindest, um meinen Samen angewidert im Abfluss zu versenken. Ich möchte nicht, dass du entweder in den Panikmodus oder auf Autopilot schaltest, wenn du meinen steifen Penis siehst. Ich möchte nicht, dass du im Bett mit mir spielst oder mich mit deiner Sexyness und Hotness verführst. Ich möchte nicht, dass du Angst vor mir hast oder mich für meine Begierde verachtest. Ich möchte keine überhebliche Arroganz oder mäuschenhafte Unterwürfigkeit, keine billige Masche oder abgeklärte Routine. Und ich möchte auch nicht dein lebender Vibrator sein, wenn du alle paar Wochen mal – aus welchem Grund auch immer – plötzlich selber nen Fick brauchst. Ich möchte in dich eindringen, wenn du dieses unschuldige Leuchten in den Augen hast. Wenn dich meine Erektion freudig überrascht und sie dich stolz macht, weil du sie ausgelöst hast. Weil es deine Erektion ist, weil sie dir gehört. Wenn du neugierig darauf bist, wie sie sich in dir anfühlt. Wenn du dich wunderschön und begehrenswert fühlst, ohne etwas damit zu machen. Wenn du dich mir öffnest und mich voll in dich reinlässt, ohne dieses furchtbare, uralte „Mann-Frau-Sex-Drama“ fortzuführen, sondern mit der freudigen Ungewissheit und dem unschuldigen Vertrauen in das, was gleich passieren wird. Wenn du dich meiner Begierde hingibst, weil es MEINE Begierde ist und weil ICH es bin und kein anderer, der in dich eindringen möchte. Ich weiß nicht, ob und wie das, was ich hier geschrieben habe, bei dir landet. Ich weiß nicht, ob du dich jetzt irritiert, amüsiert, schockiert, verängstigt, beschämt, wütend, enttäuscht oder vollkommen gleichgültig von mir abwendest. Oder ob dich meine Worte und der Fleck, von dem sie hoffentlich kommen, erreichen und berühren können. Ob sie etwas Liebevolles, etwas Wohlwollendes in dir bewegen. Etwas, das es dir möglich macht zu sehen, wie es mich schmerzt zu fühlen, was da die ganze Zeit zwischen uns abgelaufen ist. Wie es mich schmerzt zu fühlen, welche Nähe wir da die ganze Zeit mit aller Macht zwischen uns verhindert haben. Und welche Angst es mir macht daran zu denken, dass ich und du und wir es vielleicht niemals anders werden hinbekommen können. Das tut weh und ich wünsche mir, es wäre anders zwischen uns. Ich kann den Protest schon förmlich hören: Warum ich so radikal bin? Warum ich alles so kaputt mache? Warum ich so tue, als wäre alles schlecht und falsch zwischen uns gewesen? etc. Oberschwellig hat es sich vielleicht nicht immer schlecht und oftmals auch ganz gut angefühlt. Aber wenn wir ehrlich sind, ist es unter diese Oberfläche immer schmerzhaft gewesen: Ich habe mit dir geschlafen, ohne dass ich jemals mit meiner Begierde bei dir landen konnte und ohne dass du mich jemals wirklich reingelassen und dich von mir hast berühren lassen. Und du hast mit mir geschlafen, ohne jemals dabei von Herzen von mir geliebt worden zu sein. Und wir haben uns beide damit verraten. Es ist ein Drama und ich kann und möchte davor nicht mehr die Augen verschließen – ich habe das Gefühl, es würde nur noch schmerzhafter werden, würde ich es mir jetzt auch noch schön reden. Zumindest merke ich, dass es mir das bisschen „Wohlfühl-Gefühl“ zwischen durch nicht mehr wert ist, mich selber so zu missachten. Ich möchte und kann auch wahrscheinlich so nicht mehr mit dir schlafen. Selbst wenn mich das, wo ich es schreibe, in meiner Begierde zu zerfetzen scheint und mir furchtbare Panik macht. Und selbst wenn das für dich jetzt wie ein skurriles Spielchen oder einfach nur wie eine sinnfreie Selbstbestrafung aussehen mag. Mag sein, dass meine Worte hart und gnadenlos wirken. Mag sein, dass sie etwas Missionarisches in sich tragen, etwas, das überzeugen will und keinen Widerspruch hören möchte. Wenn dem so ist, dann weil ich mich immer noch nicht traue, all diesen Wahnsinn voll zu fühlen, den ich schon seit Ewigkeiten wahrnehme. Den Wahnsinn zwischen den Männern und Frauen, aber auch den Wahnsinn zwischen Eltern und Kindern, zwischen Freunden, zwischen Kollegen, zwischen Lehrern und Schülern, zwischen Heilern und Patienten, zwischen Priestern und Gläubigen, den ganzen Wahnsinn zwischen Menschen. Die Mauern, die Machtspiele, die Verweigerung, die Lügen, die Abwehr, die Co-Abhängigkeiten, das Ausweichen, die Performance, den zu bewahrenden Schein, die gespielte Höflichkeit, die Gemeinheiten, die Grausamkeiten und die ständigen und so schmerzhaften Versuche so zu tun, als wäre alles gut – was es leider in den allermeisten Fällen überhaupt nicht ist. Ja, ich möchte, dass du mir sagst, dass ich mit all dem Recht habe. Damit ich mich damit nicht so alleine fühle. Damit ich mich nicht wie ein Verrückter fühle, der als Einziger total aus der Reihe fällt. Damit ich nicht der Einzige bin, der sich in diesen Wahnsinn stürzt, um ihn voll zu fühlen. Und ich möchte, dass du mit mir springst, weil ich mich (noch) nicht traue, da alleine reinzuspringen. Weil ich mir immer noch versuche zu sagen, dass es diesen Wahnsinn so eigentlich gar nicht geben kann. Weil er doch viel zu offensichtlich ist, als dass er so ernsthaft existieren könnte. Weil ich immer noch davon überzeugt bin, dass man diesen Wahnsinn doch auflösen können muss, wenn man nur mal genau genug hinschaut und ihn erkennt. Weil ich mir immer noch nicht eingestehen möchte, dass auch ich Teil dieses Wahnsinns bin. Dass auch ich eine hilflose, mit dem Mensch-Sein komplett überforderte Seele bin, die vielleicht viel verstehen, aber immer noch nicht wirklich etwas anders leben kann. Die sich (noch) nicht traut, ihren Wunsch, etwas anderes als diesen Wahnsinn zu leben, voll zu fühlen. Und die wahrscheinlich wahnsinnige Panik davor hat, mit diesem Wunsch berührbar und verletzlich in die Welt hinauszugehen, um dann zu merken, dass er nicht erfüllt wird – und dass sie überhaupt gar nichts dagegen tun kann. Ich hoffe, dass ich mich irgendwann trauen werde, mir diesen Wunsch zu erfüllen, unabhängig davon, ob mir irgendjemand Recht darin gibt oder ob irgendjemand mit mir springt. Und ich habe riesige Angst davor, damit dann alleine zu sein – denn ich möchte wirklich etwas anderes als diesen ständigen Wahnsinn leben. Ich wünsche herauszufinden, ob uns als Mann und Frau nur unser Deal verbindet, oder ob es etwas Tiefes, Verletzliches, wirklich Berührbares zwischen uns gibt. Ich wünsche mir herausfinden, ob und was uns verbindet. Doch ich sehe, dass ich das alleine nicht kann. Sondern nur, wenn du es auch möchtest – und zwar aufrichtig, berührbar und verletzlich. Wenn du bereit dazu bist, dir deine vermeintlich dunklen Seiten anzusehen und Verantwortung für das zu übernehmen, was du zu unserem Deal beigetragen hast. Und wenn du bereit dazu bist, diesen Deal gemeinsam mit mir zu beenden und zu schauen, was dann noch von unserer Beziehung übrig bleibt. Ich sehe, dass ich dich dazu nicht zwingen kann, sondern dass ich mich dir mit diesem Wunsch hingeben muss. Und ich sehe, dass ich dann auch dazu bereit sein muss, mir von dir und deiner Zurückweisung möglicherweise das Herz brechen zu lassen. Vor nichts habe ich im Moment noch größere Panik. Und doch hoffe ich, dass ich irgendwann den Mut haben werde, mich dir so hinzugeben. Und deshalb möchte ich, dass du weißt: Mein größter Wunsch ist es, dich irgendwann einmal wieder ficken zu dürfen. Voller roher, unverzierter Begierde. Aus innerer Fülle und voller Größe. Ohne Glitzer, ohne Strategie und Sicherheitsnetz. Dafür aber verletzlich und berührbar. Mit aller Bedeutung, die mein Herz dir schenken möchte. Und mit aller unschuldigen Hingabe, die deine Yoni dann bereit ist mir zu geben. Und auf jeden Fall, ohne mich dabei wie ein Ficker zu fühlen. An dich. Mit Respekt, Begierde, Angst und einem aufkeimendem Funken Selbstliebe geschrieben von Manuel im Januar 2018 Nachtrag: Ich möchte an dieser Stelle dazu stehen, dass ich in der Zeit zwischen Fertigstellung und Veröffentlichung dieses Textes wieder mit meiner Frau geschlafen habe. Ich habe dabei versucht, ihr meine Leidenschaft verletzlicher und bezogener zu schenken. Und ich hatte das Gefühl, dass sie sich mir dabei mit größerer Offenheit hingegeben hat. Unser Sex hat durch meinen Text also (scheinbar) eine neue Qualität bekommen. Dennoch ist mir klar, dass ich dadurch meine entschlossenen Worte bezüglich eines Verzichts auf die Droge Sex untergraben habe und in dieser Hinsicht nicht mehr wirklich ernst zu nehmen bin. Hierrüber gibt es Scham und Bedauern in mir, vor allem wenn ich dadurch alles andere, was ich hier verletzlich geschrieben habe, in Misskredit gezogen haben sollte. Allerdings muss ich mir ehrlich eingestehen, dass mein sinnliches Verlangen nach meiner Frau so groß ist, dass ich es nicht ausgehalten habe, überhaupt nicht mit ihr zu schlafen. Und die – zum Teil leider nur kurzfristige – Verbundenheit, die ich dabei mit ihr verspürt habe, war berührend, aufregend und sanft zu gleich. Auch wenn mir klar ist, dass diese Verbundenheit überwiegend auf körperlichem und nicht auf emotionalem Verlangen meiner Frau gegenüber basiert. Ich hoffe, dass trotz all dem deutlich geworden ist, dass ich den tiefen Wunsch habe, meine Barriere zwischen 2. und 4. Chakra abzubauen, um irgendwann einmal sowohl meine Leidenschaft selbstliebevoller und gesünder auszuleben, als auch mehr Herzbegeisterung und Herzverbundenheit für meine Frau zu empfinden bzw. überhaupt erst wirklich zulassen zu können.

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